Weniger Steuern für mehr Innovationen?

Weshalb Steuereinsparungen effektiv sein können.

Innovationen in Unternehmen zu fördern, kann Risiken beinhalten. In unserer Serie zur Innovationsförderung wurde bereits dargestellt, was es alles benötigt, um Innovationen zu finden, zu fördern und durchzuführen. Doch es gibt auch Faktoren von außen, die beim innovativen Handeln unterstützend wirken können.

Ein entscheidender Punkt könnten dabei steuerliche Vergünstigungen sein, welche der Staat bieten kann. Einer gemeinsamen Studie des PwC und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zufolge, würden mehr steuerliche Reize die Innovationskraft verschiedener Unternehmen durchaus steigern lassen. Und das, obwohl von 47 befragten Konzernen bereits 53 Milliarden Dollar pro Jahr in Forschung und Entwicklung gesteckt werden.

Steuerliche Ersparnisse wären demnach vor allem dann hilfreich, wenn es um mögliche Verluste geht. Denn diese sind bei Innovationen häufig unumgänglich, schließlich benötigt es seine Zeit, bis eine Innovation von ihrer Grundidee zur Markttauglichkeit gereift ist. Laut Springer-Autor Dr. Marjin Dekkers kann diese Zeitspanne vier Jahre umfassen – vier Jahre, in denen eine Innovation nicht gewinnbringend umgesetzt werden kann, dennoch aber viel Aufwand beansprucht. Umso größer kann jedoch letztlich der Gewinn sein, den eine vollendete Innovation mit sich bringt.

Viele Innovationen = höherer Absatzmarkt?

Besonders erstaunlich bei der Studie: Viele Unternehmen, genau genommen 42 Prozent aller befragten Konzerne, machen die Förderung von Forschung und Entwicklung an einem gewissen Standort davon abhängig, wie dort die Verwertung von Innovationen besteuert wird. Das heißt, je besser die steuerlichen Vergünstigungen, desto mehr Forschungs- und Entwicklungs-Einrichtungen werden an gewissen Standorten erstellt, womit auch wieder die Attraktivität, solche Einrichtungen zu fördern, für die Länder gegeben ist.

Gerade in Deutschland wäre solch eine Hilfe denkbar, denn seit 1980 ist der staatliche Anteil an den Aufwendungen in Forschung und Entwicklung von 42 Prozent auf 30 Prozent gesunken. Eine Rückkehr zu alter Innovationskraft wäre mit steuerlichen Erleichterungen durchaus denkbar. In Japan gab es in den vergangenen Jahren bereits ähnliche Vorgänge, bei denen die Entwicklungsbudgets der Unternehmen dank steuerlicher Anreize nachweislich gestiegen sind.

Patentboxen in Europa

In Teilen Europas sind Patentboxen, wie sie genannt werden, gang und gäbe. Sie stehen für ein Modell, nach dem geringere Steuern auf Einnahmen patentierter Modelle erlassen werden. Während die Unternehmenssteuer beispielsweise in Malta auf Lizenzeinkünfte komplett erlassen wird, liegt sie in Belgien bei 6,8 statt 34 Prozent. Ein Wettbewerbsnachteil für Deutschland gegenüber den anderen Ländern, die damit immer mehr Gründer anziehen können. Ein Problem ist zudem, dass diese Patentboxen wegen diverser Schlupflöcher nicht immer für Forschung und Entwicklung genutzt werden. Auch deshalb werden Patentboxen als eines der größten Steuerprobleme Europas bezeichnet. Finanzminister Wolfgang Schäuble plant deshalb, auch in Deutschland solch eine Regelung einzuführen, jedoch ausschließlich auf Innovationen gerichtet.

Bedenkt man, dass Deutschland von einem hohen Absatzmarkt profitieren würde und somit auch von gewinnbringenden Innovationen, wäre es durchaus sinnvoll, steuerliche Erleichterungen für Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen zu genehmigen und damit innovativem Handeln den Weg ebnen zu können – auch, um mit anderen Ländern mithalten zu können. Gleichzeitig darf das aber nicht bedeuten, dass Steuerschlupflöcher entstehen. Es ist also ein schmaler Grat, auf dem sich dieses Gesetz in Deutschland bewegen muss.

 

Quellen:

 

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