Rasant & Ambitioniert – Carsharing-Branche hat großes Potential

Wie die Shared Economy vom Autonomen Fahren profitieren kann.

Im Jahr 1988 wurde der erste deutsche Carsharing-Anbieter gegründet. „StattAuto“ hieß das Berliner Unternehmen, das mit einem alten Privatauto begann und aktuell unter dem Namen Greenwheels 13 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht.

Das Unternehmen steht stellvertretend für die rasante Entwicklung des Carsharings. Der Status Quo besagt bereits, dass Carsharing weit verbreitet ist. Anbieter wie Car2Go stellen hierbei Autos für kurze Trips oder aber für längere Zeiträume zur Verfügung. Ein lukratives Geschäftsmodell, das zeigt auch eine Statistik von Frost & Sullivan, wonach die Zahl der Carsharing-Nutzer zwischen 2006 und 2014 von 350.000 auf weltweit 4,9 Millionen Nutzer gestiegen ist. Laut dem Bundesverband CarSharing hat sich derselbe Wert in Deutschland seit 2012 fast verfünffacht und liegt heute bei 1,26 Millionen Nutzern.

Hohe Ziele bis 2020

Doch auch in dieser Branche stellt sich die Frage: Kann dieses Geschäftsprinzip so bleiben wie es ist, oder muss es sich dem Markt anpassen und sich, wie so viele andere Wirtschaftszweige, ebenfalls weiterentwickeln? Abhängig ist das natürlich davon, wie der Markt in fünf Jahren aussieht. Automobilhersteller haben sich bekanntlich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2020 Autonome Fahrzeuge auf die Straßen zu schicken.

Realistisch ist bis dahin aber „nur“ Level 3, also teilautonomes Fahren, bei dem der Fahrer dem Auto viele Aufgaben überlässt, jedoch selbst in manchen Situationen eingreifen muss. Auf den ersten Blick hat das, abgesehen vom Komfort für den „Fahrer“ keine großen Auswirkungen. Jedoch könnte es beim zweiten Hinsehen große preisliche Konsequenzen haben – für Carsharing-Unternehmen sowie deren Kunden. Denn sofern mit der Autonomität auf Level 3 auch die Sicherheit für das Fahrzeug und dessen Insassen steigt, profitieren die Anbieter davon, da Autos in diesem Fall nachweislich weniger Unfälle bauen werden und sicherer sind. Dadurch können Versicherungskosten gesenkt werden, was wiederum auf den Kunden zurückfällt – eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Langfristige Pläne: realistisch oder Utopie?

Auch deshalb lohnt sich ein Blick ferner in die Zukunft. 2030 hat sich Level 4 womöglich schon völlig durchgesetzt und ist kommerziell verfügbar. Nun wären Autos in der Lage, sich mittels Software zu einem Netz zu organisieren, um Personen effizient bei Bedarf abzuholen und zu transportieren. Auch mehrere Personen können so in einer Fahrt mitgenommen werden. Ridesharing und Carpooling nennt es sich, wenn mehrere Personen gleiche oder ähnliche Ziele im selben Fahrzeug ansteuern. Dieses Szenario wäre dann aber kaum noch mit Carsharing zu vergleichen, sondern viel eher mit einem Taxi, das Personen abholt und wieder herauslässt, wo sie es wollen. Es muss dann nicht einmal geparkt werden, zudem ist kein Personal nötig, das die Personen fährt. Gefahr besteht hier also hauptsächlich für die angesprochene Branche der Taxiunternehmen, aber auch für den öffentlichen Personennahverkehr.

Bis 2050 werden, so ein Modell, Autonome Fahrzeuge noch eher erschwinglich sein, da die Produktionskosten mittlerweile sinken. Die Folge wäre dann, dass Autonome Fahrzeuge noch weiter verbreitet wären, der finanzielle Anreiz, diese zu teilen, wenn sie nicht gebraucht werden, wäre aber weiterhin gegeben. Peer-to-peer-Carsharing nennt sich das und ist eine Ausprägung der Share Economy.

Doch sind all diese Modelle, Planspiele und Prognosen überhaupt realistisch und umsetzbar? Die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sie das sind. So hat die Innovationsgesellschaft, in der wir leben, es geschafft, Smartphones nur 15 Jahre nach dem ersten Touchscreen-Handy mit Farbdisplay an 80 Prozent der Bevölkerung in Industrieländern zu bringen. Folglich soll ein weiterer Schritt in der digitalen Entwicklung sein, dass bis 2040 laut dem Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) drei von vier Autos auf den Straßen autonom fahren. Doch auch hier scheiden sich die Geister: Das Victoria Transport Policy Institute sagt selbige Entwicklung bis 2060, also 20 Jahre später, voraus.

Technologie: Teuer und (noch) nicht ausgereift

Grund dafür dürfte wohl auch die bisherige Unvollkommenheit dieser Technologie sein. Denn bis es wirklich so weit ist, dass autonom fahrende Autos auf den Straßen nichts Befremdliches sind, sondern in den Alltag integriert sind, muss sich noch eine Menge tun.

Dazu gehört nicht nur der rechtliche Rahmen, der klären muss, wer in welcher Form für Autonome Fahrzeuge haftet. Vielmehr ist es die Technik, die ausgebaut werden muss. So ist aktuell 3D-Mapping für Autonomes Fahren essentiell. Jedoch heißt das auch, dass es weltweit 65 Millionen Kilometer Straße gibt, die erfasst werden müssten – ein mehr als umfangreiches Projekt.

Noch wichtiger erscheint jedoch die Sicherheit zu sein, die von zwei Seiten beäugt werden muss. Zum einen muss ein Autonomes Fahrzeug lernen, im Schnee, schwerem Regen oder auf Eis fahren zu können. Bislang hatten Autonome Autos damit große Probleme und waren kaum dazu fähig. Andererseits ist jedoch der Schutz vor Hackern ein Aspekt, der mit der Software der High-Tech-Fahrzeuge einhergeht. Denn ein Eingriff in jene Software eines Autos oder gar mehrerer Connected Cars könnte schwerwiegende Folgen haben. Zu guter Letzt muss ein Autonomes Fahrzeug erschwinglich werden. Denn wenn es das Ziel der Automobilindustrie ist, es für Jedermann verfügbar zu machen, muss es auch für den Großteil der Bevölkerung bezahlbar sein.

Quellen:

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