Hyperloop: 1,9 Sekunden, die große Wellen schlagen

Hyperloop testet erstmals in Nevada.

1,9 Sekunden dauerte die erste Testfahrt des Hyperloop (über das Projekt haben wir schon einmal berichtet). 160 Stundenkilometer erreichte dabei die angebliche Revolution des Personentransports. Noch war also nicht viel zu sehen von den 1220 km/h, die der Hyperloop irgendwann erreichen soll. Denn auch was ihn ausmacht, war auf der Teststrecke in der Wüste Nevadas noch nicht zu sehen: Weder das Vakuum noch eine Kapsel, die von Vakuum-Röhren profitieren soll, um schließlich Personen in Fast-Schallgeschwindigkeit zu transportieren, waren zu sehen.

Auch deshalb wird gemutmaßt, dass alles nur eine PR-Kampagne von der neugegründeten Firma Hyperloop One gewesen sein soll. Dagegen spricht allerdings das Ziel des Visionärs Elon Musk, bis 2020 den Hochgeschwindigkeitszug marktreif entwickelt zu haben. Güter sollen sogar schon 2019 transportiert werden. So wurde im Vorfeld von einem „Meilenstein-Event“ in Las Vegas gesprochen, das auf Twitter live begleitet wurde. Danach waren Reaktionen aus dem Kontrollraum inklusive überschwänglichem Jubel der Ingenieure zu sehen. Glaubt man dem Unternehmen, waren diese 1,9 Sekunden nahezu bahnbrechend.

Starker Antrieb, keine Bremsen

Umweltfreundlich und pfeilschnell, vergleichbar mit einer Rohrpost, soll der Hyperloop in nicht allzu ferner Zukunft als Zugersatz funktionieren. Schwer vorzustellen bleibt dabei besonders, dass ein solches Projekt bereits in vier Jahren realisiert sein soll. Beim Test in Nevada hatte das System noch nicht einmal Bremsen, weshalb es in einer riesigen Sandwolke zum Stehen gebracht wurde. So war es im Prinzip nur ein Test des Antriebs, der den Hyperloop in 1,1 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigte. Immerhin das ist bislang eine kleine Revolution, die normale Rohrpost bewegt sich im Vergleich dazu nur mit etwa 20 km/h.

Dennoch gibt es einen großen Hype um das Projekt, was alleine das Medienecho zeigt, das trotz der eigentlich geringen Bedeutung dieses Tests generiert wurde. Denn die Medien waren die vergangenen Tage voll von der Neuigkeit, der Hyperloop sei erstmals gestartet. Musk, der Unternehmer und CEO des Elektrofahrzeugherstellers Tesla und dem Raumfahrtunternehmen SpaceX, ist bekannt dafür, nicht nur große Ziele zu setzen, sondern diese auch hartnäckig zu verfolgen. An der Vision des Hyperloop ist Musk aber nicht so einflussreich involviert wie in anderen Projekten. Musk leitete das gesamte Projekt als Crowdfunding- und Crowdsourcing-Projekt ein. Mittlerweile gibt es daher eine Konkurrenz zwischen Hyperloop One und Hyperloop Transportation Technologies – getreu dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“.

Auch die Deutsche Bahn beteiligt sich

Unterstützung erhält das Projekt auch aus Deutschland: Mittlerweile ist auch die DB Engineering & Consulting von der Deutschen Bahn Partner des Unternehmens. Am Pfingstsonntag wurde sogar bekannt, dass die Deutsche Bahn intensiver mit dem Hyperloop-Konzern kooperiert. Dabei soll das Berliner Verkehrsunternehmen eine Machbarkeitsstudie zu einer Hochgeschwindigkeitsbahn im Nahen Osten durchführen. Diese handelt aber noch nicht über geplanten Personenverkehr, stattdessen soll zunächst der Gütertransport in Ländern wie Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabaischen Emiraten ausgebaut werden. Bis zum Sommer soll die Studie beendet sein.

Das Vertrauen in das Potential dieser Technologie ist also gegeben, auch wenn die 1,9 Sekunden von Nevada wenig über deren Erfolg aussagen. Das könnte schon viel eher gegen Jahresende der Fall sein. Dann wird erstmals eine drei Kilometer lange Röhre höhere Geschwindigkeiten ermöglichen – der nächste Schritt auf dem langen Weg zu einem marktreifen Transportsystem. Dass das Ganze jedoch auch in Deutschland eine Transportrevolution verursacht, glaubt Niko Warbanoff, der Chef von der DB Engineering & Consulting nicht. In einem Interview mit der Welt am Sonntag sagte er: „Meiner Ansicht nach ist es schwer, bei einer funktionierenden Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur ein weiteres, völlig anderes System aufzubauen.“

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