Deutsche Bahn: Weg frei für smarte Weichen?

Start-Up Konux kann Bahnverkehr verbessern.

Die Deutsche Bahn zählt sicher nicht zu den beliebtesten Unternehmen Deutschlands. Auf der Bewertungscommunity Trustpilot hat das Unternehmen eine Wertung von 0.9 von 10 Punkten. Klar, viele Kunden nutzen etwaige Plattformen hauptsächlich, um Kritik zu äußern. Im Falle reibungsloser Abläufe wird selten darauf zurückgegriffen, Lob für ein Unternehmen wie der Deutschen Bahn auszusprechen. Denn de facto hat nicht einmal jeder hundertste Zug der Bahn eine Verspätung von 16 Minuten oder mehr.

Dennoch steht es nicht gut um das Unternehmen aus Berlin. 988 Millionen Euro Gewinn im Jahr 2014 folgten 1,3 Milliarden Euro Minus im Folgejahr – zum ersten Mal seit zwölf Jahren schrieb die Bahn rote Zahlen.

Konux: Ein Start-Up als Retter?

Um große Verluste zu mindern, könnte nun ein Start-Up in die Bresche springen und weitere Verspätungen von Zügen, die sicher auch ihren Beitrag zum Minus des Großkonzerns leisten, minimieren. Konux heißt das Start-Up von CEO und Mitbegründer Andreas Kunze, das sich mit smarter Technologie befasst: „Mit unserer Technik lassen sich Defekte erkennen, bevor sie eintreten“, sagte Kunze im Handelsblatt.

Dabei ist das Münchner Unternehmen noch denkbar jung, speziell wenn es an der Aufgabe bei der Deutschen Bahn gemessen wird. 2014 wurde das Unternehmen gegründet, gewann aber im selben Jahr bereits beim World Founders Forum im ESCP Europe in Paris, bei dem verschiedene Start-Ups um den Sieg beim Wettbewerb des Investors Founder.org und um 100.000 Euro kämpfen. Damals sagte Kunze, er habe „die Vision, den Sensormarkt für mechanische Messgrößen zu revolutionieren.“

Fraglich, ob er damals schon daran geglaubt hat, der Deutschen Bahn helfen zu müssen. Schließlich ließ er verlauten: „Im Gegensatz zu den USA verstehen deutsche Konzerne nicht, dass sie mit Start-Ups zusammenarbeiten müssen“. So kritisierte Kunze damals noch den deutschen Markt, doch schon 2015 wurde er vom Gegenteil überzeugt: Der DB Accelerator fördert seitdem Konux und stellte somit im wahrsten Sinne des Wortes die Weichen für eine gemeinsame Zukunft – natürlich auch im Eigeninteresse, denn die Möglichkeit, durch Konux von der Industrie 4.0 zu profitieren, ist riesig.

Prävention statt Reaktion – der Schlüssel zum Erfolg

Konux‘ Grundidee ist nämlich die des präventiven anstelle des reaktiven Handelns. So sollen smarte Sensoren an Weichen messen, in welcher Form diese beansprucht werden. Sie sammeln also Daten und gewinnen Erkenntnisse über Temperaturen, Vibrationen und Druckverhältnisse. In Folge dessen wird vorausgesagt, ob eine Weiche ausgetauscht werden muss – und das noch bevor sie tatsächlich defekt ist. Das sorgt nicht nur für ein höheres Maß an Sicherheit, sondern kann wiederum dafür verantwortlich sein, dass lange Ausfälle wegen Reparaturen vermieden werden. Gleise können stattdessen einfach bei Nacht, wenn weniger Verkehr ist, ausgetauscht werden.

Bedenkt man an dieser Stelle den Faktor, den Wartungskosten bei Betriebsausgaben übernehmen, kann das finanziell sehr rentabel sein. 25 Prozent Kostenersparnisse versprechen sich die Unternehmen bei den Instandhaltungskosten und durch die Vorbeugung von daraus folgenden Verspätungen. Und das führt letztlich auch zu zufriedeneren Kunden und womöglich schon bald zu einer Bewertung auf Trustpilot, die weit über die bisherigen 0,9 Punkte hinausgeht.

 

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