Die Creative Class – Können Unternehmen von Städten lernen?

Wieso eine Creative Class in Unternehmen Sinn macht.

Einem englischen Sprichwort zufolge heißt es, die Menschen, nicht die Häuser, machen eine Stadt aus. Und obwohl sich über diese Pauschalaussage streiten lässt, steckt eine Menge Wahrheit darin. Denn die Bewohner einer Stadt sind dafür verantwortlich, dass es dauerhaft Prozesse physikalischer und intellektueller Anreicherungen gibt und sich Städte somit nie in einem beständigen Zustand befinden, da sie sich stets entwickeln und verändern.

Von diesem Ansatz her lässt sich einerseits eine Parallele zwischen Städten und Unternehmen ziehen, aber auch eine Abhängigkeit herstellen. Eine Verbindung zwischen Unternehmen und Städten besteht aber immer. Unternehmen produzieren meist in urbanen Städten, die Konsumenten kommen wiederum auch aus einer Stadt, bei lokalen Unternehmen womöglich sogar aus der selben.

Dank der Globalisierung ist heute ein genauer Standort von Unternehmen häufig nicht auszumachen, besonders dann nicht, wenn Unternehmen zu Global Playern werden. Eine genaue Antwort auf die Frage „Wo ist Apple überhaupt?“ können nur Wenige geben, denn Unternehmen sind heutzutage komplexer, sind zu einer Reihe von Network-Beziehungen geworden, die nicht immer lokal zu verorten sind.

Floridas umstrittenes Modell

Doch aus dieser Gemeinsamkeit zwischen Unternehmen und Städten lässt sich ein vorteilhaftes Modell ziehen. Dafür kann ein Ansatz des Ökonomen Richard Florida herangezogen werden. In einem spannenden und von der Norm etwas abweichenden Modell stellte der US-Amerikaner Anfang des 21. Jahrhunderts dar, dass nicht etwa die Arbeiterklasse die treibende Kraft einer Wirtschaft ist, sondern die sogenannte „Creative Class“. Dazu gehören Architekten, Designer, Künstler, eben jene, die für kreative Arbeit bekannt sind. Für Unternehmen stellt sich daher die Frage: Wie weit ist kreatives Denken von innovativem Denken entfernt?

Sollte es folglich ein Ziel sein, innerhalb eines Unternehmens eine kreative Klasse einzuführen und zu fördern? Schließlich soll sie laut Florida den Erfolg des Unternehmens prägen und vorantreiben. Dabei bietet sich Unternehmen im Vergleich zu Städten ein besonderer Vorteil. Konzerne können sich aussuchen, wer für sie arbeitet, und das mit vergleichsweise einfachen Mitteln. Ob und welche kreativen Kräfte in einer Stadt tätig sind, ist dagegen von weitaus komplexeren Vorgängen und häufig nicht steuerbaren Entwicklungen abhängig.

In drei Schritten zur innovativen Creative Class

Was sind also die Maßnahmen, die für Unternehmen notwendig sind, um eine solche kreative Klasse zu besitzen, sie zu halten und sogar zu fördern? Angela Wiltz vom US-amerikanischen Mobilfunkbetreiber Sprint nannte diesbezüglich zusammen mit SAS-Gründer- und Leiter Jim Goodnight drei Kernpunkte, die dabei beachtet werden müssen:

  1. Kreative Arbeiter dürfen nicht abgelenkt werden. Dazu gehört nicht nur, unnötige Arbeitsschritte zu vermeiden, sondern auch, für eine angenehme Atmosphäre zu sorgen, in der die kreativen Köpfe arbeiten können.
  2. Zusätzlich muss die Kreativität aber ausgelöst, wenn nicht gar entflammt, werden. Und das beste Zündholz dafür ist Zeit. Denn viel Zeit bedeutet gleichzeitig wenig Druck, der auf der Creative Class lastet.
  3. Zuletzt ist eine gewisse Wertschätzung nötig, die den Kreativen entgegengebracht wird. Ihnen muss klar sein, dass sie mit ihren Ideen und Innovationen womöglich das gesamte Unternehmen repräsentieren werden.

So bleibt am Ende die Erkenntnis: Obwohl das Modell von Richard Florida nicht überall Anklang fand und häufig kritisiert wurde – auch wegen seiner Eindimensionalität ­– so lässt sich daraus durchaus eine Lehre ziehen: Kreativität sorgt für Innovationen, und nur wer außerhalb des standardisierten Rahmens denkt, treibt ein Unternehmen voran. Deshalb kann es sich lohnen, Kreativität zu fördern und das nicht nur in Städten, wie es Floridas ursprüngliche Idee war, sondern auch und besonders in Unternehmen.

 

Quellen:

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