Belohnungssysteme: Teamplayer vor Einzelgänger

Wie Kollaborationsarbeit durch Belohnungssyteme verbessert werden kann.

Häufig stellt sich für Führungskräfte im Business Development die Grundsatzfrage, wie gute Arbeit belohnt wird – besonders in Unternehmen, in denen keine Einzelgänger gefragt sind, sondern der Erfolg auf Kollaborationen basiert.

Steven Kerr, der lange für Goldman Sachs tätig war, kritisierte dabei häufig die gängigen Systeme. Führungskräfte hoffen nämlich, so Kerr, dass Kollaborationen in ihren Unternehmen funktionieren, dem wirke aber das Prinzip entgegen, das besagt, dass nur individuelle Leistung belohnt wird.

Der negative Effekt dieser Belohnungssysteme ist laut Harvard Business Review, dass 20 Prozent der Top-Performer in Unternehmen ihren Kollegen nicht helfen. Sie sorgen selbst dafür, produktive Zahlen vorzuweisen, tragen aber nicht zum Erfolg ihrer Kollegen bei. Die Frage, die sich dann stellt: Wie findet man Leute, die beides tun – produktive Einzelarbeit leisten und gleichzeitig ihre Kollegen in Kollaborationen besser machen?

Mit Credit-System ans Ziel

Am Ende soll also auch der Weg zum Ziel relevant sein, wenn es um Beförderungen und Gehaltserhöhungen geht, nicht nur die Ergebnisse, die Einzelpersonen aufweisen. Stattdessen geht es darum, das Teilen von Informationen sowie der persönlichen und sozialen Ressourcen zu honorieren – der Grundlagen kollaborativer Arbeit, deren Wichtigkeit bereits in einem früheren Teil dieser Reihe erläutert wurde.

Das Problem, das sich dabei stellt, ist, zu ermitteln, wer welchen Beitrag zu einer Kollaboration leistet. In manchen Investmentbanken wird daher auf Feedback bezüglich der Arbeit in Kollaborationen von anderen Kollegen zurückgegriffen, was wiederum Einfluss auf die Beurteilung und letztlich auf eine mögliche Beförderung haben kann.

Auf dieses System baut Jurgen Appelo vom Forbes Magazine auf. Er beschreibt ein Belohnungssystem, das auf sogenannten Credits basiert. Mitglieder einer Kollaboration geben dabei ihren Kollegen Credits, welche wiederum ausschlaggebend dafür sind, wer einen Bonus bekommt und wie hoch dieser sein wird. Crowdsourced Bonus System nennt sich das und sorgt dafür, dass innerhalb einer Zusammenarbeit gesichert wird, dass Mitarbeiter das erhalten, was ihnen wirklich zusteht und Boni nicht nur Top-Individual-Performer gehen. Dieses System ist bei weitem kein Einzelfall mehr in Unternehmen, sondern häufig schon gängige Praxis.

Achtung vor Popularitäts-Wettbewerb

Dennoch hat dieses Vorgehen seine Schattenseiten. Schließlich kann es passieren, dass Credits nach Popularität und Beliebtheit, nicht aber nach Beitrag in einer Kollaboration verteilt werden. Eine Ungerechtigkeit, die zu Entmutigung und Verlust der Motivation bei Mitarbeitern führen kann.

Auch das beweist, dass es ein schmaler Grat ist, auf dem sich Vorgesetzte bewegen, wenn es darum geht, Kollaborationen zu honorieren. Zudem geht es bei solchen Systemen nicht nur um Honorar, sondern auch um Feedback. Beim System des Crowdsourced Bonus steht gerade dieses ständige Feedback im Vordergrund, das mit den Credits und deren Gewichtung einhergeht und im Idealfall für zusätzliche Mitarbeitermotivation sorgen kann, im Worst Case aber eine Menge Druck erzeugt.

 

 

Quellen:

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