Autonome Mobilität on Demand – die Lösung für New York?

Simulation zeigt Stärken der autonomen Mobilität.

New York City hat ein Verkehrsproblem, das ist Fakt. Der Bürgermeister der niemals schlafenden Stadt, Bill de Blasio, machte vor kurzem Uber dafür verantwortlich, den Verkehr durch seine vielen Fahrzeuge zu verlangsamen. Was folgte, war eine vier Monate dauernde Studie über den Einfluss des Online-Vermittlungsdienstes für Fahrdienstleistungen – mit dem Ergebnis, dass zwar immer mehr Uber-Autos auf den Straßen verkehren, sie jedoch keinen Einfluss auf den langsamen Verkehr New York Citys haben.

Angeheizt ist damit aber trotzdem eine Debatte über das Verkehrssystem in New York, für das Marco Pavone von der Stanford University eine Simulation durchführte, die aufzeigen sollte, welchen Einfluss Autonome Fahrzeuge auf diesen Verkehr nehmen könnten. Autonome Mobilität on Demand (Autonomous Mobility on Demand oder AMoD) heißt sein Lösungsansatz, der selbstfahrende Autos mit einem System verbindet, das diese auf Abruf verfügbar macht.

Duell der Giganten

Noch ist diese Mischung aus Autonomie und Carsharing zwar eine Zukunftsvision, die auf Autonomem Fahren, einer Technologie, die noch nicht in Serienreife existiert, aufbaut. Letzte Entwicklungen schritten jedoch sehr schnell voran, auch weil praktisch alle Großkonzerne aus der Automobilindustrie dabei sind, ihre eigenen Entwicklungen voranzutreiben und gleichzeitig mit Softwareriesen wie Google konkurrieren. Denn auch das neue, dynamische Modell von Pavone verspricht vor allem eins: Kontrolle und Koordination der Fahrzeuge mit maximaler Effizienz sowie damit einhergehende finanzielle Vorteile.

Alleine Manhattan könnte, so die Studie, mit 8.000 autonomen Taxen ausgestattet werden und mit nur 70 Prozent des bisherigen Taxiaufkommens den gleichen Personentransport abdecken. Mit einem flächendeckenden System autonomer on-Demand-Fahrzeuge könnte Singapur sogar mit nur einem Drittel des Verkehrsaufkommens bedient werden.

Ausschließlich AMoD in Singapur?

Im südostasiatischen Stadtstaat wurde mit Pavones Simulation durchgerechnet, welche Aufwendungen on-Demand-Fahrzeuge im Vergleich zu normalen Autos haben. So würden diese – statt der durchschnittlichen 18.162 Dollar, die ein Mittelklasse-Wagen in Singapur im Jahr insgesamt kostet – nur 12.563 Dollar an Kosten beanspruchen. Auch die Zeitersparnis gegenüber der Nutzung eines eigenen Fahrzeugs ist signifikant. Beim Versuch, diese in einen monetären Wert umzurechnen, kam heraus, dass anstelle der 14.460 Dollar pro Jahr, die ein Bewohner Singapurs umgerechnet für ein Auto aufwendet, dieser Betrag mit einem AMoD-Fahrzeug bei 4.959 Dollar liegen würde. Die Zahlen kommen zustande, indem Parameter wie Ankunftsrate, beliebte Fahrtziele, Fahrtzeiten und ihre Abhängigkeit von der Tageszeit mit dem Einsatz der AMoD-Fahrzeuge abgestimmt wird. So sind in einem idealen Szenario keine überflüssigen Fahrzeuge mehr auf den Straßen, sondern nur diese, die tatsächlich gebraucht werden.

Zudem könnten wirtschaftliche Vorteile aus diesem komplexen System generiert werden, indem die AMoD-Autos als zusätzlicher Arbeitsplatz dienen, um beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit bereits effizient zu handeln. Diese und weitere zukünftige Planspiele sind jedoch noch nicht analysiert worden, sondern bieten in Pavones Idee nur Platz für weitere Forschung. Auch das zeigt, dass das gesamte Projekt noch eine Menge weiteres Potential bietet.

Zurück nach New York: Hier sind die Ersparnisse und die angespannte Verkehrslage nicht die einzigen Aspekte, die den Bürgern der Großstadt aufs Gemüt schlagen. Denn auch die Sicherheit spielt eine große Rolle. Von einem Fahrzeug überfahren zu werden, ist die häufigste Ursache für Tode in Folge schwerer Verletzungen der unter-14-Jährigen im Big Apple. Autonome Fahrzeuge könnten etwaige Gefahren schneller erkennen und wären in der Lage, schneller zu reagieren als ein menschlicher Fahrer.

Viele Probleme, eine Lösung: Autonome Mobilität

Dieses und drei weitere Probleme stellen sich in New York stellvertretend für die USA dar:

  • Die Hälfte des Ölverbrauchs der USA wird durch den Straßenverkehr verursacht.
  • Zudem entstehen 20 Prozent des CO2-Ausstoßes durch Auto-Abgase.
  • Die angesprochenen Verkehrsprobleme verdichten diese Werte zusätzlich und sorgen für einen Parkplatzmangel.

Doch gegen all diese Probleme gibt es laut Pavone eine Lösung: AMoD. Denn die Zukunft steht vor der kaum zu bewältigenden Aufgabe, immer mehr Fahrzeuge auf immer weniger Fläche unterzubringen. Obwohl in den nächsten Jahren mehr Personen ein eigenes Fahrzeug haben werden, können die Straßen nicht proportional dazu ausgebaut werden, da hierfür schlicht der Platz fehlt.

Gegen die Parknot wirken kleine, elektrische Fahrzeuge, die praktisch dauernd in Bewegung sind, da sie „One-Way“ verwendet werden. Die einzige Gefahr, die hierbei entsteht, ist die, dass sich Autos von Carsharinganbietern in Ballungszentren bündeln.

„Werden Privatheit abgeben“

Insgesamt handelt und entscheidet die Software bei der Autonomen Mobilität automatisch, welches Fahrzeug wann welchen Mitfahrer einsammelt, wann es geladen werden muss und welche die effektivste Strecke ist. Gerade Effektivität und Effizienz sind hierbei elementare Stichwörter, denn statistisch gesehen stehen privat genutzte Autos 90 Prozent des Tages unbenutzt herum. Mit einem funktionierenden System mit den Autos auf Abruf käme eine solche Quote kaum mehr zustande und wäre somit ein bedeutend nachhaltigeres Modell, verglichen mit dem aktuellen Zustand. Auch aus diesem Grund sollte, so die Aussage von Pavones Studie, das Angebot in Singapur noch strikter durchgeführt werden. 12 Haushalte sollen sich dort im Schnitt ein AMoD teilen.

Privat genutzte Autos stehen im Schnitt 90 Prozent des Tages unbenutzt herum.

Wie weit bei dieser Studie Theorie und Praxis auseinandergehen können, wird sich in den folgenden Jahren zeigen, zumal dafür viele auf ihr eigenes Auto verzichten müssten. Laut der Stadtarchitektin Meejin Yoon, die 2013 Gewinnerin der Audi Urban Initiative wurde, wird diese Entwicklung aber dennoch eintreten: „Wir werden etwas Privatheit abgeben, aber Zeit und Platz gewinnen und typische Probleme, die heute weltweit Zeit, Geld und Nerven kosten, der Vergangenheit angehören lassen.“

 

Quellen:

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