3D-Druck in der Medizin – wann gelingt der Durchbruch?

Volumenprognose: Markt für 3D-Druck boomt.

Drei Mal pro Woche, vier bis acht Stunden zur Dialyse gehen – so sieht der Alltag für viele Menschen mit Nierenschwäche aus. 70.000 Dialysepatienten gibt es etwa in Deutschland, viele davon warten bereits seit langem auf eine Spenderniere. Doch nur 1.450 Nierentransplantationen wurden im vergangenen Jahr laut Eurotransplant in Deutschland nach postmortaler Organspende durchgeführt, 700 weniger als noch vor acht Jahren.

Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels, auch wenn dieses wohl noch sehr weit entfernt ist. Denn es gibt eine Industrie, die sich intensiv mit dem künstlichen Herstellen von Organen beschäftigt. Medizinforscher arbeiten immer häufiger zusammen mit Entwicklern von 3D-Druckern, wobei beide das Ziel verfolgen, langfristig sogar Organe mit den kostspieligen Geräten herstellen zu können.

Medizin: Produktiver dank 3D-Technologie

Bis das der Fall ist, wird es noch eine Weile dauern. Nichtsdestotrotz haben die Entwickler des Prozederes, bei dem Schicht um Schicht zu einer 3D-Form gedruckt wird, bereits einige Meilensteine in der Medizin erreicht: Erste „Ersatzteile“ kommen bereits aus Druckern. Dazu gehören Implantate oder Prothesen, besonders Zahnimplantate sind dabei um ein vielfaches leichter und schneller herzustellen als von Menschenhand.

Doch auch vor Operationen, also in der Vorbereitung auf einen medizinischen Eingriff, profitieren Ärzte vom 3D-Druck. Dann können sie mittels genauer Nachbildung des operierten Körperteils als Vorbereitung auf die OP hantieren und erhalten einen viel genaueren Eindruck dessen, was sie kurz darauf im Inneren des Körpers erwartet. Das ist zwar kostspielig, beispielsweise im Fall von komplizierten Herz-OPs aber wirksam.

Auch die Dauer der Eingriffe lässt sich mit den Druckverfahren stark verkürzen, da sie schneller arbeiten können als Menschen. Patienten leiden dann unter einer geringeren Belastung. Die Vision vieler Forscher ist es auf lange Sicht, Organe künstlich herstellen zu können. „Wir arbeiten daran, ein Herzklappengerüst mit dem 3D-Drucker zu erstellen, das am Deutschen Herzzentrum mit menschlichen Zellen besiedelt wird“, sagte Professor Hartmut Schwandt von der Technischen Universität Berlin.

Wachsender 3D-Markt

Aufbauend auf diese bereits vorhandenen, modernen Technologien, könnte es in vielen Jahren möglich sein, ganze Organe zu „züchten“. Die Folgen dessen wären riesig, bedenkt man alleine die Differenz zwischen Dialysepatienten und Transplantationspatienten in Deutschland.

Die Medizin ist hierbei nicht der einzige Gewinner, der von der neuen Technologie profitiert. Auch die Hersteller von 3D-Druckern sind gerade in einer Position, die wohl so komfortabel ist wie nie zuvor. So hat die Industrie mittlerweile laut Wohlers Report 2016 ein Volumen von über fünf Milliarden Dollar, während das durchschnittliche Wachstum des Marktes binnen der letzten drei Jahre 33,8 Prozent betrug. Prognostiziert bis 2022 soll sich dieses Wachstum bei durchschnittlich 28,5 Prozent einpendeln, so eine Studie von Research and Markets. Demnach soll bis dahin das Volumen bei 30,19 Milliarden Dollar liegen.

Dass sich dieser Wert in nur sechs Jahren versechsfacht, liegt nicht nur an der bislang führenden Industrie in den USA. Vielmehr ist es China, das den Vereinigten Staaten derzeit den Rang abläuft. 100 Prozent Wachstum an verkauften 3D-Druckern wird in Fernost vom IDC prognostiziert, 33 Prozent aller 3D-Drucker würden in diesem Fall aus China stammen.

Dass diese Industrie weltweit einen solchen Sprung in den letzten Jahren macht, liegt besonders an den immer neuen Innovationen. Zieht man alleine die Möglichkeit in Betracht, in den folgenden Jahren medizinisch noch größere Sprünge mit 3D-Druckern machen zu können, so sind die prognostizierten Zahlen weder ein Zufall noch unrealistisch. Stattdessen spiegeln sie wider, zu was diese Technologie fähig sein kann.

Quellen:

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