3D-Druck erreicht nächste Stufe

CEM-Verfahren kann endlich auch Metall „kopieren“.

Vor über 30 Jahren hatte Chuck Hull die Vision, einen Sterolithographen zu entwickeln, der einen Spritzguss aus Kunststoff in kurzer Zeit erstellt und somit mehrere Arbeitsschritte in einem bündelt. Es war sozusagen die Geburtsstunde des ersten 3D-Druckers, die damals jedoch keine sonderlich große Beachtung fand: „Als wir mit dem 3D-Drucken angefangen haben, habe ich noch lange nicht erwartet, dass es zum Mainstream werden kann. Damals sagte ich, 25 Jahre werde es brauchen, dachte aber, es werde noch mehr Zeit in Anspruch nehmen“, so Hull in einem Interview mit der Industryweek.

Heute baut die Technik des 3D-Printings immer noch auf Hulls Erfindung auf: Verschiedene Materialien werden Schicht für Schicht übereinander gedruckt. Die Vorteile liegen auf der Hand. Zu erstellende Teile sind einfach zu modifizieren, je nach dem, wie die individuelle Bearbeitung aussehen soll.Zudem ist der Druck auf praktisch jedes Design anwendbar – auch dann, wenn andere Produktionen womöglich an ihre Grenzen stoßen. Bereits vorhandene Modelle können folglich einfach reproduziert werden. Zudem zeichnen sich heutige 3D-Drucker durch hohe Qualität und eine außerordentliche Präzision aus.

Lukrativer, neuer Geschäftszweig

Besonders bei kleinen Einzelstücken lohnt sich daher das Verwenden eines 3D-Druckers. Während diverse Manufakturen bereits eine Revolution durch die Drucker fürchteten, sind sich Experten heute sicher, dass 3D-Drucker zwar ein lukratives Geschäft bilden können, jedoch viel eher einen neuen Zweig ausmachen werden, als vorhandene Hersteller vom Markt zu drängen.

„Wie die Mikrowelle nicht alle anderen Formen des Kochens ersetzt hat – wie anfangs vorhergesagt – wird der 3D-Druck auch nicht andere Herstellungstechnologien ersetzen“, schrieb Carl Bass von Autodesk vor über zwei Jahren im Magazin Wired.

CEM-Verfahren: 3D-Druck-Revolution?

Doch mittlerweile ist der 3D-Druck zu mehr als „nur“ Kunststoff-Kopien in der Lage. Clemens Lieberwirth von der Universität Rostock hat ein kostengünstiges Druckverfahren entwickelt, bei dem durch Aufschichtung erstmals Metalle verarbeitet werden können. Diese können anschließend gesintert, also durch Erhitzung verdichtet werden.

Composite-Extrusion-Modeling-Verfahren (CEM) nennt sich dies und könnte großen Einfluss auf verschiedene industrielle Bereiche nehmen. Besonders Medizin, Automobilbau sowie Luft- und Raumfahrttechnik können beispielsweise von der schnellen Erstellung von Ersatzteilen profitieren.

Erfinder glaubt an seine Entwicklung

Auch Lieberwirth ist von seinem CEM-Verfahren überzeugt: „Schon die ersten Untersuchungen zeigten, dass die auf diese Weise gefertigten Teile über sehr gute Festigkeitseigenschaften verfügen und sich beispielsweise durch Fräsen oder Drehen bestens nachbearbeiten lassen.“

So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch die Industrie auf diese neue Technologie aufmerksam wird – sicher ist aber, dass es dieses Mal wohl keine 30 Jahre dauern wird, bis es großen Einfluss auf die Industrie nehmen kann.

 

Quellen:

Neuste Artikel